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Wir schreiben das Jahr 2113. Es gibt keine Scientology-Kirche mehr, das Gedankengut der Scientologie gehört zur allgemeinen Schulbildung. Es könnte alles in bester Ordnung sein … Aber lesen Sie selbst:

Es ist finsterste Nacht, als das kleine Raumschiff zwischen den Hügeln landet. So kommt es, dass niemand den Anflug bemerkt. Wenn Sie nun denken, jetzt steigen kleine grüne Männchen aus dem Ufo, haben Sie sich getäuscht. Dies hier ist keine Sciencefiction, dies ist das Leben.

Also gut, der Pilot des Raumschiffes fährt die Triebwerke herunter und lässt den Steuerhebel in Parkposition gleiten. Nahezu zeitgleich öffnet sich eine Luke und der Pilot und sein Begleiter treten in die dunkle Nacht heraus. J-Kmon, so der Name des Piloten, wird auf diesem Routineflug der Akquiseflotte von einem neuen Assistenten begleitet. Die beiden Herren, so muss man sie wohl nennen, auch wenn sich der Hauptsitz ihres Arbeitgebers irgendwo im Andromeda-Nebel befindet, sind korrekt gekleidet. Nadelstreifen und Aktenkoffer aus Rindsleder, Tarnung ist die oberste Direktive von Akquise.

J-Kmon nimmt seine Multifunktionsfernbedienung und klickt in Richtung geparktes Raumschiff. „Wusch!“ Wo eben noch ein metallisch blitzendes Raumfahrzeug stand, steht ein funkelnagelneuer Off-Roader.

„R-Brin! Sie fahren!“ R-Brin wieselt geschäftig zum Wagen und steigt ein. Nur knapp 4,5 Minuten nach der Landung befindet sich das Akquise-Team auf dem Weg zur Millionenstadt Hansberg.

„Solar 3 ist eigentlich ganz nett“, meint J-Kmon und öffnet seine Aktentasche. „Ja, A-Ktun wird mit uns zufrieden sein. So einen feinen Planeten akquiriert man nicht alle Tage.“

„Nun zu unserer Aufgabe, R-Brin. Unser Plan ist ebenso einfach wie genial, der erste Schritt ist die Säuberung des Planeten von unzufriedenen Personen, sie werden von uns glücklich gemacht und werden es in dankbarer Freude darüber als ihre Aufgabe ansehen, die Planeten in einen ökologisch vertretbaren Zustand zu versetzen.“

„Und wie finden wir die Unglücklichen?“

„Ganz einfach, hier, unser Emotionsmodulator Xp-34-O (EM) spürt geeignete Individuen auf und verrät uns hier auf diesem Display, was die Leute glücklich macht.“ Dabei tätschelt J-Kmon ganz liebevoll auf ein Gerät, das aussieht wie eine Laserpistole, mit der die irdische Polizei Geschwindigkeitskontrollen durchführt.

Die Morgendämmerung bricht heran, als die beiden die Stadtgrenze Hannsbergs erreichen. An einer Bushaltestelle kauert ein Mann auf einer Sitzbank. Zum Schutz gegen die Kälte hat er sich in Zeitungspapier gehüllt und schnarcht laut vor sich hin. J-Kmon richtet den EM auf ihn. Die Auswertung dauert nicht lange, auf dem Display ist zu lesen: Testperson erfährt höchste Glücksgefühle durch Verzehr einer äthylalkoholhaltigen, kräuteraromatischen dickflüssigen Substanz. Daneben findet sich eine Abbildung einer viereckigen grünen Flasche mit einem Hirsch auf dem Etikett.

„So, wir haben, was wir brauchen, jetzt zurück, und den EM an den Multi-Korrektor anschließen und dann unsere Glücksbotschaft weltweit ausstrahlen.“

Gesagt, getan!

„Auf Wiedersehen, Solar 3, wir kommen in 3 Mondphasen wieder, um die Phase Zwei einzuleiten“ und J-Kmon öffnet und schließt dreimal die Hand in Richtung immer kleiner werdendes Solar 3, eine Geste, die wohl das andromedarische Äquivalent zum Winken darstellt.

Als Oberbürgermeister Rögel diesen Morgen erwacht, spürt er den merkwürdigen Wunsch nach einem kräftigen Schluck Kräuterlikör. Er sichtet die Hausbar. „Ah, da steht er ja!“ Es dauert nicht lange und OB Rögel wankt voller guter Ideen zur Ankurbelung des heimischen Kräuterlikörkonsums und Deckung des Bedarfs ins Rathhaus.

Nach Konsum sechzehn weiterer Flaschen hochprozentigem Kräuterlikörs segnet der Senat das so genannte Likörpaket einstimmig ab:
Punkt 1 – Gewerbesteuerfreiheit in Hannsburg für Kräuterlikörfabrikanten
Punkt 2 – Senkung der Mehrwertsteuer für Kräuterlikör auf 0%
Punkt 3 – Einführung von regulären Kräuterlikör-Verzehrpausen für Stadtbedienstete
Punkt 4 – Die Kräuterlikör-Verteilung erfolgt nunmehr durch die Stadtreinigung.
Punkt 5 – Die Justiz hat nunmehr die alleinige Aufgabe, den Reinheitsgrad und Alkoholgehalt von Kräuterlikör zu prüfen.
Punkt 6 – Das Recht auf Kräuterlikörkonsum soll im Grundgesetz verankert werden, ein diesbezüglicher Antrag wurde bereits formuliert.

Nun, in diesem Stil geht es weiter, gilt es doch, der plötzlichen Kräuterlikörknappheit massiv entgegenzuwirken. Schließlich sollten doch alle glücklich sein.

So eine Infrastruktur ist normalerweise nicht so leicht umzustellen, aber wie durch ein Wunder arbeiteten alle Einwohner Hand in Hand. Als die Kräuterlikörnachrichten im vierten Deutschen Kräuterlikörfernsehen die Nachricht bringen, dass man in Tokyo bereits 78,5 % der Bedarfsdeckung an Kräuterlikör erreicht habe, geht ein Ruck durch die Einwohner von Hannsberg. Das muß doch zu schlagen sein?

Es bilden sich Bürgerinitiativen, die den Ausbau von Waschküchen, Bibliotheken und Krankenhäusern zu Kräuterlikör-Destillationsanlagen zum Ziel haben. Jugendliche bilden Kräuterlikör-Garden, die mit dem gleichen Ziel Schulen, Kindergärten und Babykrippen umbauen. Als dann einige Tage später Prof. Dr. Ing. Sibelius Krautermann (Nomen est omen!) die synthetische Herstellung von Kräuterlikör aus gewöhnlichem Dieselkraftstoff gelingt und das Verfahren zur Nachahmung unter www.goldfusel.de weltweit in 98 Sprachen zum Download bereit stellt, ist das Glück der Hannsberger vollkommen.

Mit Tränen in den Augen überreicht im OB Rödel im vollbesetzten Olympiastadion den Kräuterorden 1. Klasse am Band. Die Menge ist entzückt, von der Nordkurve ausgehend, intoniert man spontan zur Melodie von Oh Tannebaum: „Oh Krautermann, oh Krautermann, dem Ingeniör ist nix zu schwör, oh Krautermann, oh Krautermann, wie stark ist dein Liköhör!“

Damit hätte diese Geschichte eigentlich zu Ende sein können, denn jedermann ist glücklich, da der Bedarf an Kräuterlikör weltweit gedeckt ist. Die Weltgemeinschaft hat sich in Richtung auf ein gemeinsames Ziel bewährt und jedermann ist entsprechend stolz über das Vollbrachte oder benebelt vom Kräuterlikör – je nach Tageszeit.

Die Geschichte könnte also zu Ende sein, aber dem geneigten Leser soll nicht vorenthalten werden, ob die besagte Phase Zwei der Akquise-Strategie der Firma Delta-Planeten-Akquise noch stattfand.

Gleich nach der Rückkehr überprüft J-Kmon mit dem Felicitometer den Glücksgrad der Menschheit. „100%!“ nickt er zufrieden.

„Man kann also von einer erfolgreichen Phase Eins ausgehen“, kommentierte R-Brin.

„Nun, das werden weitere Messungen verifizieren.“

„Merkwürdig, sehen Sie? Das Confusiometer zeigt extrem hohe Werte an geistiger Verwirrung an!“

„Was kann das sein?“

Nun, in Unkenntnis der Wirkung von alkoholischen Substanzen auf den menschlichen Organismus waren auch alle weiteren Messwerte für die beiden Akquisiteure nicht zu deuten. Sie grübelten noch eine Weile und erklärten schlussendlich die Mission als gescheitert.

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