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Nach mehr als 30 Jahren möchte ich  meine Beobachtungen und Erzählungen verschiedener Episoden zu Papier (Oder zu Schirm? Wie sagt man da?) bringen. Es gibt viele verschiedene E-Meter-Bedienertypen, die im Laufe der Zeit ihre Technik nicht nur entwickelt, sondern im höchsten Maße bis annähernd zur Bühnenreife perfektioniert haben. Einige dieser Typen will ich dem geneigten Leser vorstellen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sich die Mehrzahl dieser Episoden wohl vor dem Zeitalter des Golden Age of Tech abgespielt haben.

Nun kommen wir zur Sache. Die Ausgangssituation ist folgende, die Sitzung soll beginnen, nur zeigt das E-Meter keine Reaktion. Vermutlich ist das Netzkabel defekt. Nun muß man nur noch Mäuschen spielen, um alles über die jeweiligen elementaren Charakterzüge zu erfahren. Auch Mischtypen sind übrigens beobachtet worden, wie immer bietet das Leben eine interessante Vielfalt, die ich dem Leser nicht vorenthalten möchte. Es drängte sich mir die Erkenntnis auf, dass sich erst in einer Krisensituation bei vielen Menschen der wahre Charakter zeigt.

Der Bastler:
Baut sich aus Fischer-Technik ein eigenes E-Meter. Die Inbetriebnahme  erfolgt über einen kranähnlichen Arm, der über dem E-Meter angebracht wird. Bastler, die über einen Computer verfügen, steuern das Anstellen natürlich über ihre Schnittstelle direkt von ihrem eigens dafür mitgeführten Laptop aus.

Der Physiker:
Er berechnet den optimalen Einsteckwinkel des Kabels unter Beachtung des geringsten Energieaufwandes der Aktion. Das E-Meter an sich ist für ihn die unwichtigste Sache überhaupt. Ihn interessiert die Vektoraddition der Kräfte, die beim Dosendrücken auftreten oder der Energiegehalt der dabei verbrauchten Arbeitskraft, wobei er diese als physikalische Größe im Vergleich von Energiebeträgen bei Drückvorgängen im Rahmen einer Metrisierung als E = m x g x h mit Maßeinheit Joule und Ortsfaktor g = 10 J/kgm berechnet. Anschließend leistet er Verformungsarbeit beim Drücken der Dosen.

Der Chemiker:
Sprengt das E-Meter mit einem selbstgemachten Sprengstoff in die Luft. Er analysiert dann die Zusammensetzung der herumfliegenden Plastik- und Metallpartikel, um so das defekte Teil zu ermitteln.

Der Systemanalytiker:
Er wäre theoretisch in der Lage, die Korrelation zwischen durchschnittlicher Stromspannung und E-Meterfrequentierung zu bestimmen, wenn ihm nur jemand sagen würde, was ein E-Meter ist.

Der Informatiker:
Informatiker reparieren E-Meter, indem sie Algorithmus EM ausführen:
01. Baue E-Meter auf
02. suche Fehler
03. durchsuche jede Tasche von oben nach unten bidirektional in rechts-links-Richtung nach Ersatzkabel
04. für jedes Durchsuchen:
a. ergreife jeden Gegenstand, den Du siehst
b. vergleiche jeden gefundenen Gegenstand mit einem als Netzkabel bekannten Partikel
05. bei Übereinstimmung schließe Kabel an
06. teste Betrieb
07. für jeden Test
a.  wenn positiv, gehe zu Schritt 08
b.  wenn negativ, gehe zu Schritt 03
08. Programmende

Der Öko:
Er wird zunächst einen Verein zum artgerechten Halten von E-Metern gründen und sich im Rahmen einer Aktionswoche in einer Akademie anketten, um auf die Mißstände im Allgemeinen und die Diskriminierung des E-Meters im Besonderen hinzuweisen. Den Besitz eines Kabels lehnt er aus Umweltschutzgründen ab und wirbt für seine Sache mittels Unterschriftenaktionen.

Der Statistiker:
Er repariert alle E-Meter, an denen er vorbeikommt, wenn das Gewicht nicht mehr als 14,83 % von dem eines durchschnittlichen E-Meters abweicht.

Der Mathematiker:
Er repariert sein E-Meter, indem er alles entfernt, was funktioniert, und findet so ein Element der Restmenge {Kabel}. Der erfahrene Mathematiker wird zunächst versuchen, die Existenz mindestens eines eindeutigen Kabels zu beweisen, bevor er mit Schritt 1 als untergeordneter Übungsaufgabe Kabeltest fortfährt. Der Mathematikprofessor beweist die Existenz mindestens eines eindeutigen Kabels und überläßt dann die Reparatur seiner Ehefrau.

Der Wirtschaftswissenschaftler:
Er benutzt kein E-Meter. Aber er ist fest davon überzeugt, daß E-Meter auch ohne Kabel funktionieren, wenn man ihnen nur genug bezahlt.

Der Unternehmensberater:
Auch er benutzt kein E-Meter, meist hat er noch niemals überhaupt irgendetwas praktisch durchgeführt. Man kann ihn jedoch stundenweise engagieren, um sich gute Ratschläge über den Umgang mit dem E-Meter für teures Geld geben zu lassen.

Der Sozialpsychologe:
Versucht das E-Meter mittels interaktiver Kommunikation zu überreden, sich selber zu reparieren. Ziel ist es, das E-Meter zu bewegen, Selbstinitative zu ergreifen. Wenn auch bei Einsatz der ausgefeiltesten Psychotechniken und jegliche Schulweisheiten aus der Gesprächstherapie erfolglos zum Einsatz kamen, bricht er frustriert und je nach Temperament entweder heulend oder apathisch vor dem E-Meter zusammen.

Der Harley-Davidson-Fahrer:
Er ruft seine Kumpels zusammen und die können dem Anblick der blinkenden Dosen nicht widerstehen und veranstalten zunächst ein Dosen-Wett-Zerquetschen. Schließlich wird das E-Meter mit einer Kette an einer Maschine verbunden und zum Stammlokal geschleppt, wo es unter Konsum von Dosenbier repariert wird.

Der Mantafahrer:
Obwohl Manta-Fahrer aus Jugendschutzgründen eigentlich keine E-Meter bedienen dürfen, gibt es doch einige Auditoren dieser Spezies. Nachdem er circa drei Stunden mit dem Autoschüssel versucht hat, das E-Meter zu starten, bricht er den Schlüssel in seinem blindwütigen Aktivismus ab. Er beschließt, dass dieses Problem anders gelöst werden muß, schließt seinen Manta kurz und heizt zu seiner Ollen, um sie anzupumpen. Dann kauft er sich ein neues E-Meter.

Der Ostfriese:
Er dreht zwei Stunden an den Knöpfen herum und sucht nach dem Öffnungsmechanismus. Anschließend geht er zum DofT und reklamiert das langweilige Fernsehprogramm auf dem viel zu kleinen Bildschirm und beschwert sich zudem über die unten offenen Dosen, aus denen sein Tee wieder herausfließt.

Der Indianer:
Er macht einen Regentanz um das E-Meter. Es fängt an zu regnen. Anschließend wartet er, bis das E-Meter so aufgeweicht ist, daß er es problemlos skalpieren kann.

Der Rambo-Typ:
Er stellt sich in 20 Meter Entfernung vor dem E-Meter auf und ballert mit seiner 44er-Magnum auf die Skala, um so eine Nadelreaktion zu erzielen.

Der Snob:
Zieht sich erst mal die weißen Handschuhe an und desinfiziert das E-Meter, die Dosen und das Kabel mit einem Spray. Dann hält er das Kabel mit dem Daumen und dem Zeigefinger (mit abgespreiztem kleinem Finger!) und führt das Kabel sacht ein. Er praktiziert seine ebenfalls desinfizierte, sterilisierte, vergoldete Greifzange mit Perlmutteinlagen aus seinem Portemonnaie aus exklusivem Schlangenleder, um weitere Einstellungen am E-Meter vorzunehmen.

Der gewalttätige Typ:
Er reißt das Kabel mit einer Hand aus seiner Verankerung und drischt mit dem Kabel solange auf das E-Meter ein, bis es als formlose Masse vor ihm liegt. Danach schiebt er das Versagen des Gerätes auf minderwertige Technik.

Der coole Typ:
Er wirft das E-Meter schwungvoll mit einer (!) Hand auf den Tisch. Lässig lehnt er sich mitsamt dem Stuhl zurück, um das Kabel in den Stecker unten die Wand zu stecken. Das er dabei öfters nach hinten über kippt, interessiert den coolen Typen überhaupt nicht.

Der Proll:
Er holt sein E-Meter aus der rindsledernen E-Meter-Tasche und das dazugehörige Kabel aus der Hosentasche (Ach so, das Kabel war das…“), an dem Glöckchen hängen, damit auch alle gucken! Anschließend steckt er den Stecker ein, rutscht jedoch ab und bricht sich die Hand. Beim anschließenden Schmerzgebrüll renkt er sich den Kiefer aus, worauf er wutentbrannt gegen den Tisch tritt und sich den Zeh bricht. Aber das Wichtigste: Er ist Mittelpunkt der Akademie und später im Krankenhaus. Dabei kommentiert er sein Tun lautstark, um auch genügend Aufsehen zu erregen und alle Anwesenden von seiner beeindruckenden Persönlichkeit in Kenntnis zu setzen.

Der Pantoffelheld:
Er packt das E-Meter panikartig wieder ein, als er bemerkt, dass es nicht funktioniert. Als seine Frau den Raum betritt, pfeift er ein unschuldiges Liedchen vor sich hin und bemüht sich, nicht in Richtung des E-Meters zu schauen.

Das Weichei:
Er wagt nicht, das Kabel auszutauschen, denn es könnte das empfindsame Gleichgewicht des elektronischen Gesamt-Ensembles stören. Er würde nie jemanden etwas antun, was er selber nicht erleiden könnte. So beschränkt er sich darauf, mit leise klagenden Lauten das Schicksal des E-Meters zu beweinen.

Der antiautoritäre Typ:
Er ignoriert den Fehler gänzlich. Dass er keine Nadelreaktion erzielt, hält er für nebensächlich. Wichtig sei doch der Gedanke, der zählt. Hin und wieder weist er das E-Meter in bittendem Tonfall an, doch bitte wieder zu funktionieren, da dies doch vernünftiger sei.

Der Philosoph:
Alles und jedes hat seinen tieferen Sinn in diesem Universum. Daher baut er das E-Meter wieder ab und begibt sich auf eine mehrjährige Sinnsuche über E-Meter und das Leben im Allgemeinen und seines Lebens im Besonderen.

Der Logiker:
Alle E-Meter haben eine Nadelreaktion. Hier gibt es keine Nadelreaktion. Dies ist kein E-Meter.

Der gottesfürchtige Typ:
Er ist im festen Glauben, das die Funktionsstörung seines E-Meters ein Zeichen Gottes ist. Tief bewegt packt er sein E-Meter ein, um in der nächsten Kirche eine Kerze zu entzünden und im Gebet zu versinken.

Der Richtlinien-Fanatiker:
Sofort nach Bemerken des Fehlers schreibt er einen Cramm-Alert und routet das E-Meter nach Qual, nicht ohne sich an der Rezeption zu beschweren, dass es dafür keine passende Routingform gibt.

Das HCO-Terminal:
Er weist dem E-Meter unmittelbar und kompromisslos einen niederen Zustand zu und besteht auf einer mehrtägigen O/W-Niederschrift.

Der Programmierer:
Er schreibt erst ein Fluß-Diagramm und programmiert dann eine Simulation, die ihm die Bedienung des E-Meters erklärt. Aus dem selbstgeschriebenem log-File kann er dann weitergehende Informationen entnehmen und so sein E-Meter reparieren.

Der Normalo:
In diese Rubrik fallen alle, die nicht bereits erwähnt wurden. Sie bauen das E-Meter auf, bemerken den Fehler, beschaffen sich ein Ersatzkabel und legen los.

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7 Kommentare zu “Wenn das E-Meter defekt ist …

    • Oh, coole Idee, ich stelle fest, da fehlen noch viele Typen, wenn wer noch einen dazu braucht, einfach hier bestellen. Da fällt mir dann schon was ein. Was wäre denn dein Chef? Der knallharte Geschäftsmann? Ein Ferengi? Oder was?

      • mein Chef ist Jäger und Sammler 🙂 Alles was einigermassen brauchbar scheint, wird gesammelt. Selbst auf der regulären Rundfahrt auf dem Rhein wird ein Objekt angefahren, wenn gesichtet und der Matrose angelt es .

      • Der Jäger und Sammler:
        Diesen Typ erkennt man bereits an seinem festen Blick. Er erfaßt die Situation sofort und weiß, wo er seiner Beute (neues Kabel) auflauert und wie sie zu erlegen ist. Er verschwendet keine Zeit und geht zielstrebig vor, denn seine Gene hämmern ihm ein: „Sei pünktlich mit der Beute zu Hause, sonst wird der gesamte Clan verhungern.“

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