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Ich bin seit 1983 in Scientology, inzwischen ausgestiegen und unabhängige* Scientologin. Schade, 30 Jahre habe ich zwar nicht gerade verschwendet, aber habe mein Ziel, zu schreiben, dadurch nur selten verfolgen können. Ich bin jedoch nicht traurig darüber. Es gab auch wirklich lustige Espisoden.

Allein, wie ich Scientology fand, ist eine lustige Geschichte. Ich verdiente meine Brötchen, oder bayrischer gesagt, Semmeln, denn es war in München, seinerzeit als Hotelrezeptionistin und dieses im Schichtdienst. So ergab es sich, dass ich nachts gegen 3:00 Uhr in einem Waschsalon der Säuberung meiner Wäsche nachging. Um diese Zeit war wenig los, ja, da konnte man in Ruhe seiner Beschäftigung nachgehen und vor allem mehrere Maschinen gleichzeitig besetzen. Ich wusch also so vor mich hin, als unversehens eine, na, ich möchte mal sagen, äußerst gewöhnungsbedürftige Person auf mich zuschlurfte. Gewöhnungsbedürftig in sofern, als dass dieser Bursche lange fusselige Haare bis zur Taille hatte, und obwohl es noch Februar war, nur mit einer ausgefransten Jeans, T-Shirt, Fellweste und Jesuslatschen bekleidet war. Ich war nicht schreckhaft und er sah auch nicht so furchterregend aus, so dass wir miteinander kommunizieren konnten. Er hub denn auch an und meinte: „Ey, hasse mal ’n Fuffzger?“ Diese Kommunikation traf aber nun leider nicht meine Realität. Ich brachte diesen Umstand lautstark zum Ausdruck. Es war nicht nett von mir, entsprach jedoch meiner damaligen Geisteshaltung (schäm!), eines der nettesten Wörter, die ich gebrauchte, war glaube ich „Asozialer Penner!“. Nun gut. Er lächelte mich freundlich an und erwiderte: „Du brauchst Auditing!“ Das sass. Ich wusste natürlich nicht, was das ist, aber der Thetan weiß es irgendwie doch, und so gingen wir in wirkliche Kommunikation und etwa ein halbe Stunde später in Sitzung. Wow, das war aufregend und ich wollte mehr. Wir verabredeten uns für den kommenden Sonntag in die „Org“ zu gehen. Ich wusste zwar auch nicht, was eine Org* ist, ich hatte so die Idee vom Mork vom Ork, also ich dachte, wir würden einen Außerirdischen aufsuchen. Egal, das hörte sich spannend an.

Ich sollte also in die Org. „Oh, Mann, was zieht man denn da an?“ Sehr beunruhigt war ich auch von der Ansage meines Schlurf-Auditoren*. Er meinte, ich solle da ja nichts unterschreiben, die seien sehr gefährlich und würden mich mit Haut und Haaren vereinnahmen. OOOOPS! In mir entbrannte ein stummes, aber heftiges Zwiegespräch: „Nee, ich geh da lieber nicht hin.“ „Ach was, du kannst dich doch wehren.“ „Nee, nee, wer sich Gefahr begibt, kommt darin um.“ „Unsinn, notfalls rennst du einfach weg.“ „Und wenn sie dich einschließen?“ „Ach, was sollst, schließlich lebt man nicht ewig.“ (Ja, davon war ich seinerzeit überzeugt!)

Also gut, der Termin kam, ich hatte Frühschicht, also schon um 15:00 Uhr frei. Ich traf mich mit Jürgen, so hieß mein Auditor, in einem Restaurant in der Nähe. Da bekam ich gleich meine erste Lektion in Ethik. Ich wollte ihm mit meinem Teller eine kostenlose Ration vom Salatbuffet erschwindeln, aber er wollte das nicht. Ich erinnere mich noch an die Worte „Austausch“, „Out-Ethik*“ und „Integrität“. Keinen Plan, was er mir eigentlich sagen wollte, aber es beeindruckte mich, dass ich einen Menschen vor mir hatte, der aus Prinzip nicht andere betrügt. Wow! Davon gibt es nicht viele. Ich glaube sogar, ich himmelte ihn an.

Wir gingen dann über die Straße und betraten die Diffsicks* der Ork. Merkwürdiger Name für ein Büro, dachte ich noch. Jürgen wollte in die Akademie* zum Studieren, wir würden uns in der Pause treffen und dann wurde ich auch schon angesprochen. Ich sagte, ich wolle gerne eine Ausbildung als Auditor machen, ich hätte gehört, diese sei hier zu buchen.

Man bat mich an einen Tisch und legte mir einen Zettel mit 200 Fragen vor. Uff, scheint nicht so leicht zu sein, Auditor zu werden. Ich füllte den Zettel aus und sah mich um. Viele, viele Bücher, unsichere Menschen und geschäftige, krampfhaft lächelnde Menschen. Das störte mich nicht weiter, wer schon mal versucht hat, ein zappelndes Schaf aus dem Stacheldraht zu befreien, weiß, das anderen helfen nicht immer einfach ist.

Da war auch schon die Testauswertung fertig. Ich sei labil. Ich schluckte. Ich sei unehrlich. „Ja, logo, sonst kommt man doch zu nichts!“ Ich sei kommunikativ, aber verantwortungslos und überhaupt würde ich dazu neigen, in Schwierigkeiten zu geraten. „Ui, stimmt, aber was geht das diese Zicke an?“ Ich wurde ärgerlich und rief: „Wenn ihr jetzt mal fertig seid, mich ärgerlich zu machen mit diesem Scheiß Test, kann ich dann bitte mit meiner Ausbildung zum Auditor beginnen. Ich will dieses Dianetik-Zeugs machen.“ Ich nutzte Ihre Sprachlosigkeit, um die Preisliste mit den Kursen zu mir herüberzuziehen. Ich fuhr mit dem Finger die Spalte mit den Preisen hinunter: 130 Mark, zu teuer, 85 Mark, zu teuer, Oh Mann, 200 Mark, also nee, oh, hier ist was für 9 Mark.“ Ich klopfte mit dem Finger auf den 9 Mark-Eintrag, und sagte: „Den Kurs will ich!“, wurschtelte 10 Mark aus der Hosentasche, warf den Schein auf den Tisch. „Nein, Quittung brauch ich nicht, kann man ja nicht von der Steuer absetzen, oder doch? Nein? Also bitte. Ja, stimmt so, tut die Mark in die Kaffeekasse. Wie Adresse braucht ihr? Wozu? Ist das hier ein Buchclub? Wo ist den jetzt der Kurs?“

„Uff geschafft, im Kursraum war es toll. Da saßen viele Leute mit noch mehr Büchern und alle waren mächtig konzentriert. Okay, ja danke, das ist mein Arbeitsplatz. Gut. Wieso Wörterbuch? Ach so, Wörter haben Bedeutungen? Ist mir neu, aber hört sich richtig an. Welchen Kurs? Weiß nicht, den für 9 Mark. Ach so, ich mache ,Selbstanalyse’. Ja prima, wer kennt sich schon wirklich? Ich rede ja sonst nicht so oft mit mir. Sorry, kleiner Witz, ja, ich halte jetzt meinen Mund und lese das Scheckschiet.“

Der Kurs war einfach nur genial. Ich blieb bis 22:00 Uhr und war schon halb durch. Jürgen hatte ich vergessen. Der Kursüberwacher (Lustiger Name, ich fragte mich, ob er aufpassen sollte, dass die Besucher keine Bücher klauen.) war sehr nett. Einmal saß ich fest und er zeigte mir, wie man ein Wort klärt. Mein Vater hatte auch immer klare Worte gesprochen, aber das war nicht so angenehm. Ich fühlte mich sehr wohl und die Leute waren sehr freundlich dort. Schon am nächsten Tag hatte ich alles studiert, und das Praktikum stand an. Aufregend. Ich sollte auditieren. Meine erste Sitzung als Auditor. In München wurde vom Bodyrouter für solche Zwecke ein PC von der Strasse in den Kursraum gerouted. Und da kam er auch schon. Auweia, was für ein Mann! Riesengroß, finster, verschlossen. Ich trat ein wenig zurück in Richtung Kursüberwacher. Ich flüsterte: Meinst du, den kann man auditieren, ohne dass er mir eine scheuert?“

„Ja, klar!“ lächelte er, „Mach es wie mit der Übungs-Puppe, du kannst das!“

Da hatte er Recht, ich hatte das Verfahren mehrere Stunden geübt, und die Puppe hatte auch überlebt. Kein Problem, das schaffe ich. Ich legte los. Die Scheibe drehte sich mehrfach, ich war sehr bedacht, keinen Fehler zu machen, und so kam es, dass ich meine Aufmerksamkeit nur auf der Scheibe und dem Buch hatte. Den PC habe ich kein einziges Mal angesehen. Mir fiel siedendheiß ein, da war doch was mit ARK, man soll irgendeinen Sprechzyklus einhalten, oh Mist, ich hatte den PC ganz vergessen. Ich blickte von meinem Buch auf. Was soll ich sagen, wo vorher ein finsterer Mann mit ebensolchem finsteren Gesichtsausdruck mit verschränkten Armen saß, lächelte mir nun ein freundlicher Herr entgegen, der, die Beine übereinandergeschlagen, mir mit Händen und Füßen gestikulierend erzählte, was ihm zu der Frage so einfiel. Uff, das schien ja noch mal gutgegangen zu sein. Na, denn weiter im Text. Oh je, wie lange macht man das denn, na, der ist ja recht fröhlich, ich machte erst mal noch weiter. Es machte richtig Spaß und ich traute mich immer öfter, auch mal vom Buch aufzublicken und schaffte es auch, ihm zuzuhören. Als er mir schließlich anvertraute, so gut habe er sich die letzten Jahre nicht mehr unterhalten und er fühle sich großartig, beendete ich die Sitzung. Mann, Leute, war ich stolz! Aus Versehen alles richtig gemacht, gerade noch mal gutgegangen. Ich sah den einstmal mürrischen, später fröhlichen bayerischen Herrn niemals wieder. Schade, ich hätte gerne gewusst, was aus ihm geworden ist.

Ich war mächtig beeindruckt. Wow! Ein und der selbe Mensch, also, ich ging davon aus, dass sie nicht den PC ausgetauscht haben, als ich mal nicht aufpasste, und so eine Veränderung. Der Bursche mutierte vom bayrischen Krautmuffel zur Grinsekatze in nur zweieinhalb Stunden. Und ich hatte das gemacht, mit den Daten aus einem Kurs für lächerliche 9 Mark. Ich wollte alles wissen, damit ich noch mehr Wunder vollbringen könnte. Dieses Wissen und dieses Auditing waren der Weg, den ich immer gehen wollte. Ich würde alle Bücher lesen und Auditor werden und Leuten helfen. Fand ich toll!

Und da lauerten auch schon die DIV 6 (Ja, ich hatte das Wort inzwischen geklärt!) Registrare* auf mich, als ich vom Examiner wiederkam. Noch einen Kurs? Ja, logo, ich will den Kommkurs! (Ich hatte das schon längst mit dem Kursüberwacher abgesprochen, weil dieser Kurs würde die Fehler, die ich in Sitzung als Auditor gemacht hatte, beheben.) Außerdem dachte ich, ich mache lieber freiwillig was, bevor ich wieder so einen bescheuerten Test machen muss. Ich entschied mich für den Kommunikationskurs.

Ich war nach diesem Kurserfolg eine fleißige und wissbegierige Studentin. Da mich dieser Kurs 130! Mark gekostet hatte, – ja, Eingeweihte erkennen den exorbitanten Geldknopf* – wollte ich natürlich soviel wie möglich herausholen. Ich hinterfragte fast jeden Satz. Megagewinne und Erkenntnisse: Ich fand unter anderem heraus: wieso manche Leute sabbeln, bis der Arzt kommt, warum manche sich so künstlich aufquargeln* wegen nix, wie Streit entsteht, wie man ihn vermeiden kann. Langer Rede kurzer Sinn, ich war so fasziniert, und den Stein des Weisen für 130 Mark fand ich denn doch ganz schön preiswert. Ich stieß auf die Axiome*, oh Mann, der arme Kursüberwacher, er lud mich bei Qual ab, damit ich sie dort klären konnte. Meinen Dank noch einmal nachträglich an den Wortklärer, ich blickte auf zu ihm wie der Physikstudent im ersten Semester zu Einstein. Der Klopper schlechthin. Ich fand heraus, das ich ein geistiges Wesen bin. Mein Weltbild kippte, fürderhin nahm ich mir vor, ein ethischeres Leben zu führen, wenn ich ewig lebe, habe ich ja mehr Zeit und brauche nicht zu hetzen. Ich bin ja schließlich beim Studieren und nicht auf der Flucht. Oh je, das war gar nicht so leicht, ich musste mehr wissen. Also erst mal was darüber studiert. Hm! Was nun? Die Kurse gingen ins Geld.

Beherzt nahm ich die Treppen in den ersten Stock und klopfte im HCO an. Ich fragte: „Stimmt das, dass man die Kurse auch abarbeiten kann?“ Der HAS, es war eine HÄSIN, schaute mich an, sagte nix. Irgendwie hatte sie wohl was bei dem Kommkurs nicht richtig verstanden. Aber ich. Ich fragte (perfektes TR3): „Stimmt das, dass man die Kurse auch abarbeiten kann?“ Sie guckte immer noch. Ich: „Stimmt das, dass man die Kurse auch … „ Da kam Bewegung in die Sache, sie meinte: „Ja, Mitarbeiter dürfen 12,5 Stunden studieren!“

„Bingo,“ freute ich mich, „dann gib mal so einen Vertrag her! Wie lange muss man?“ Ich unterschrieb also einen Vertrag für 2 ½ Jahre und ging wieder auf Kurs. Ich sollte zunächst mal für meinen Posten studieren, fand ich ok, aber erstmal wollte ich den Dianetikkurs zu Ende machen und Leute auditieren. Das tat ich dann auch, es war einfach nur toll. Auditieren macht ja so einen Spaß, da kommen die PCs und jammern und danach lachen sie. Kaum zu glauben, und das alles nur mit so ein bisschen Sabbelei. Naja, man musste schon aufpassen und zuhören, aber das ist ja im Bestreben, helfen zu wollen, sozusagen ein Kinderspiel.

Was ich nicht verstand, war dieses Getue, darum, dass ich jetzt Mitarbeiter war. So richtig war mir gar nicht klar, worum es ging. Ich fragte mich durch, aber meist waren die Leute sehr beschäftigt und ich solle keinen „Deff Tie“ machen. Hm! Endlich erbarmte sich mein Boss, Senior genannt, was ich lustig fand, denn er war genauso alt wie ich und sah nicht aus wie auss’m Altersheim. Er gab mir einige interessante Sachen zu lesen und meinte, wir würden den Planeten klären. Da hatte ich ja nun gar nichts dagegen, ich fand auch, es ist ein Sauhaufen, den man mal aufräumen sollte – und legte los. Ich bekam den Posten des Mitgliedschaftsbeauftragten und machte einfach jeden, der nicht bei Drei auf dem Baum war, zum Mitglied. IAS gab’s da noch nicht, also die HASI-Mitgliedschaft. Schdäds hatte ich auch, und schon nach einer Woche wusste ich, wie man sie richtig schreibt, nämlich Stats und brachte sie nach oben. Leichte Sache. Ich machte mein Buch Eins Internship, ein Pilotprojekt. Die Sitzungen nahm ich auf Kassettenrekorder auf und das war ja so aufregend! Ich machte dann Einführungs- und Demonstrationsprozesse, na ja, und dann war ich mit den DIV 6 Kursen so ziemlich durch.

Ich wollte also die Akademie machen, aber mein Senior, der FCS, sagte zu mir: „Geh bloß nicht zum studieren, wenn du erst einmal den Vollhut hast, dann kommst du von diesem Posten nie wieder weg!“ „Auhauahauaha!“ Nee, also diese Mitgliedschaften würden mich nicht mehr lange fröhlich machen, ich wollte ja Auditor werden. Ich guckte herum, was die anderen so machen, und stellte fest, dass von rund 120 Mitarbeitern nur etwa zehn zum Studieren gingen. Schien also etwas dran zu sein, studieren ist also als Mitarbeiter gefährlich. Egal, Planeten klären macht auch Spaß, und als ich dann vom Geburtsstagsspiel erfuhr, war voll dabei. Bin eben ein Zocker!

Weil mein Posten so langweilig war, klaute ich dem FCS ab und zu Arbeit, eigentlich war ich fast auch Dir Clearing und ich lernte, lernte, lernte. Mein Lieblingsraum war das Mimeo, wann immer ich nicht weiter wusste, ging ich dort hin, griff wahllos eine Referenz und fand da jedes mal die Lösung. Das Mimeo war gut sortiert und so kannte ich mich bald gut aus.

Aber bald schon bald zogen Wolken am blauen, sonnigen Org-Himmel auf. Meine Arbeitsstelle an der Hotelrezeption hatte ich beibehalten. Das war gut so, denn der Staffpay, der schon immer träge dahinfloss, wurde zu einem mikrigen Rinnsal. Oh je, war ich froh, lieber 80 Stunden die Woche arbeiten, als keine Kohle zu haben. Ich produzierte also fröhlich vor mich hin, stets davon überzeugt, es handele sich nur um ein kurzfristiges Cashloch der Org. Naja, meine Kopien bezahlte ich selber, auch mein Papier und ein neues Farbband für die Schreibmaschine der Abteilung spendierte ich auch. Ich fühlte mich trotz allem sauwohl, weil ich endlich eine sinnvolle Beschäftigung hatte und meine Arbeit für wichtig hielt.

Ich lud meine Eltern ein, die kamen auch und ich schleppte sie gleich in die DIV VI. Beide gleich Auditing gebucht. Leider lief das nicht so gut. Meine Mutter war und ist schon von Berufs wegen gegen alles. Sie sitzt meistens einfach nur dabei und nimmt irgendwas übel, also, dass sie das Auditing nicht gut fand, wunderte mich nicht. Sie beschwerte sich, man habe sie so dermaßen unter Druck gesetzt, sie müsse gut schlafen, dass sie vor lauter Aufregung nicht habe schlafen können. Damit es keinen Stress gab, weil sie die Kohle wiederhaben wollte, habe ich sie gebeten, doch die Spende für das Auditing auf mein Buchkonto zu transferieren. Das tat sie. Uff.

So, mein Vater, na, der kam aus Sitzung wie ein Dampfkochtopf. Total rot angelaufen und schaute recht finster und auch ein wenig desorientiert. Ich war da noch nicht so ausgebildet, aber man hätte das reparieren sollen. Schade, er wollte dann nicht mehr in Sitzung.

Getoppt wurde diese kleine Katastrophe dann von diesem Vorfall. Mein Vater schaute sich die Org an, ich führte ihn herum. Als er die Akademie sah, fingen seine Augen an zu leuchten. Er sah all die Bücher. Er griff sich ein Buch aus dem Regal, setzte sich einfach an einen der Tische und fing an zu lesen. Er meinte, so, ich bin versorgt, geh du mal arbeiten, ich hole dich dann ab. Na super, ein Problem weniger. Ich hatte allerdings nicht mit unserem DofT gerechnet, den ich insgeheim immer den Dev-T nannte. Er warf meinen Vater kurzerhand aus der Akademie raus. Wäre ja nicht schlimm gewesen, hätte man ihm gesagt, er sei kein Student, und hätte ihn in den PC-Warteraum zum Lesen geschickt oder was auch immer. Aber dieser Bursche bezeichnete meinen Vater als Sicherheitsrisiko. Auweia. Mein Vater kam in mein Büro, und war etwas verstört. Wir haben uns darauf geeinigt, dass der DofT einen an der Marmel hatte. Uff, noch mal gut gegangen, der gute Mann möge mir diese Verunglimpfung noch nachträglich verzeihen. Ich versuchte doch nur, eine akzeptierbare Realität herzustellen, ich wußte wirklich nicht, wie ich dieses Schwachmatentum erklären könnte.

Im Großen und Ganzen fand mein Vater die Org aber cool, redete mit den Leute, erzählte allen Schwänke aus meiner Kindheit, für die ich noch Monate nach seinem Besuch veräppelt wurde. Aber, und das war wichtig, er meinte, ich sei dort gut aufgehoben, und Scientology sei nichts für ihn, er sei schon zu alt dafür, aber ich solle das ruhig machen. Na, das war haarscharf, hätte auch schlimmer ausgehen können.

Meine Eltern fuhren wieder ab, und ich produzierte weiter. Eines Tages sprach mich eine Frau in dunkelblauer Hose und hellblauem Hemd an. Ich solle zu ihr ins Büro kommen. Ich sagte, dass ich das erst mit meinem Senior besprechen müsse, ich sei „auf Production“ und könne nicht einfach etwas anderes machen. Mann, war die genervt, ich zitierte vollmundig: „Produktion ist die Grundlage von Moral.“ und rauschte davon. Sie hinterher. Sie griff mich am Arm, ich patschte ihr auf die Hand, und sagte, dass mich niemand anfassen dürfe. Sie sei unhöflich und habe sich mir nicht einmal vorgestellt. Sie schluckte und quetschte dann irgendwas mit „Rekrutieren“ und „Sea Org“ hervor. Das interessierte mich, dachte, kann ja nicht schaden. Ich lenkte also ein und sagte: „Na gut, aber nicht so lang!“ Wir gingen in ihr Büro und sie setze sich an ihren Schreibtisch, flankiert von zwei genauso gekleideten jungen Männern. Dann fragte sie mich: „Was weißt du von der Sea Org!“ Da musste ich nicht lange überlegen, ich meine, woher soll ich denn wissen, was ich denke, bevor ich es gesagt habe. Ich vergewisserte mich, ob das die Leute in den in dunkelblauen Hose und hellblauem Hemden seien, was sie bejahte. „Sea Org Mitglieder sind unhöflich, grüßen nie, tragen zerknitterte Hemden und drängeln sich am Fotokopierer vor.“ Ich schien nicht so ganz ihre Realität getroffen zu haben, weil sie wurde erst blass, dann puterrot und schickte mich zu Ethik. Na gut, ging ich zu Ethik.

Der EO hörte sich das an und hatte wohl Schwierigkeiten Ernst zu bleiben. Ich verwies auf meine Beobachtungen, und es sei doch das wahr für mich, was ich beobachtet habe. Man möge mir einen höflichen Sea Org zeigen, dann sei ich bereit, meine Meinung zu revidieren und mich ggfs. zu entschuldigen. Na ja, der EO schickte mich zurück auf Posten, bevor ihm wohlmöglich die TRs ganz rausfielen. Als ich dann ganz unschuldig fragte, was denn nun die Sea Org sei, rief er nur; „Raus! Auf Posten!“ Da wollte ich ja sowieso hin.

Fortsetzung folgt.

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3 Kommentare zu “Scientology – Die wilden 80er

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